Verband der Deutschen Aussenwirtschaft

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Kabinett beschließt Rückkehr zur Meisterpflicht für zwölf Handwerke PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Wednesday, 16 October 2019 03:41
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Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Das Bundeskabinett hat am Mittwoch beschlossen, die Meisterpflicht für zwölf Handwerke wieder einzuführen. Damit wolle man die Qualität und die Qualifikation im Handwerk stärken und die Strukturentwicklung im Handwerk und dessen Zukunft nachhaltig sichern, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Die neue Zulassungspflicht betrifft die Handwerke Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Betonstein- und Terrazzohersteller, Estrichleger, Behälter- und Apparatebauer, Parkettleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker, Drechsler und Holzspielzeugmacher, Böttcher, Raumausstatter, Glasveredler, Orgel- und Harmoniumbauer sowie Schilder- und Lichtreklamehersteller.

Durch die Wiedereinführung der Meisterpflicht soll nach Regierungsangaben unter anderem die Ausbildungsleistung in den betroffenen Handwerken gestärkt werden. Die Neuregelungen sollen innerhalb von fünf Jahren evaluiert werden. Für die bestehenden Betriebe, die die künftigen Voraussetzungen nicht erfüllen, soll ein Bestandsschutz gelten.

"Die Wiedereinführung der Meisterpflicht ist ein wichtiger Bestandteil meiner Mittelstandsstrategie", ließ sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zitieren. Die rund eine Million Betriebe des Handwerks seien eine tragende Säule des Mittelstands. "Der Qualitätsstandard `Meister` steht im deutschen Handwerk für Qualitätsarbeit, Verbraucherschutz, Leistungsfähigkeit und Innovationskraft."

Die Meisterpflicht mache Handwerksberufe zudem attraktiv für junge Menschen und sei die Voraussetzung für duale Ausbildungsleistung und Nachwuchsförderung, so Altmaier weiter.

 
Habeck und Brantner werben für "Green Deal" PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Wednesday, 16 October 2019 03:39
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Berlin (dts Nachrichtenagentur) - Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck und die europapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Franziska Brantner, werben für einen sogenannten "Green Deal" in Europa. Der biete für Deutschland eine riesige Chance, schreiben die beiden in einem Gastbeitrag für die Montagausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Der "Green Deal", für den auch die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie Frankreich und Italien werben, sei ein Zukunftsprojekt, das dem Klimawandel gerecht werde und Europa wieder zusammenschweiße.

Eine Schlüsselrolle könnten der erfolgreiche deutsche, aber auch der italienische Mittelstand spielen, schreiben Habeck und Brantner. Zudem müssten die wertvollen Erfahrungen französischer Industriepolitik für den Klimaschutz in Europa genutzt werden, und es wäre hilfreich, würden "Frankreichs höchst effektive Ingenieurseliten in Zukunft weniger für die Atomindustrie und mehr für den Klimaschutz arbeiten". Frankreich und Italien gehe es nicht darum, dass Deutschland für andere zahle.

Vielmehr solle Deutschland für seine Zukunft innerhalb Europas investieren. Als kontraproduktiv bezeichnen Habeck und Brantner, dass die Bundesregierung ihren EU-Beitrag auf ein Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts festschreiben wolle. Das sei genauso kontraproduktiv wie das Festhalten an der schwarzen Null in Berlin.

"So führt die schwarze Null in Deutschland zu einem schwarzen Loch in Europa", so Habeck und Branter. Das erste Land, das in dieses hineinfalle, sei Italien. Die Einführung der Schuldenbremse vor zehn Jahren sei unter ganz anderen Umständen erfolgt, schreiben Habeck und Brantner.

Damals waren die Haushalte überschuldet und Politik kaum handlungsfähig. Heute sind die Haushalte weitgehend saniert, und Geldgeber zahlen dafür, dass sie Deutschland Geld leihen dürfen. Habeck und Brantner schlagen vor, bei der anstehenden Reform der Maastricht-Kriterien die Anreize für staatliche Investitionen im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts zu verbessern. Der EU-Haushalt solle mit seinen Aufgaben wachsen. Ursula von der Leyens angekündigter "Green Deal" soll die EU bis 2050 klimaneutral machen. Der CO2-Ausstoß soll bis 2030 deutlich stärker gesenkt werden als bislang geplant: 50 bis 55 Prozent, statt der bislang vereinbarten 40 Prozent gegenüber 1990. Bis Mitte Februar 2020 sollen detailliertere Pläne ausgearbeitet werden.

 
Mittelstand ohne Mitbestimmung? PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Wednesday, 09 October 2019 02:14
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Arbeitnehmer haben in Deutschland das Recht, einen Betriebsrat zu gründen. Der vertritt dann ihre Interessen gegenüber ihrem Arbeitgeber und darf bei wichtigen Unternehmensentscheidungen mitreden. Doch vor allem in vielen kleinen und mittleren Unternehmen gibt es oft keinen Betriebsrat.

Recht auf Betriebsrat

Sobald in einem Betrieb mindestens fünf feste Mitarbeiter angestellt sind, können diese einen Betriebsrat gründen. So steht es im Betriebsverfassungsgesetz. Der Betriebsrat hat unter anderem ein Mitspracherecht, wenn es darum geht, die Pausenzeiten festzulegen, wenn Kameras im Unternehmen installiert werden sollen, die die Leistung der Mitarbeiter überwachen, oder wenn einzelne Arbeitnehmer auch am Wochenende arbeiten sollen.

Diese verbrieften Mitsprache- und Mitgestaltungsrechte kann der Betriebsrat im Notfall auch gerichtlich einklagen. Außerdem haben Betriebsratsmitglieder einen sehr weitreichenden Kündigungsschutz, sodass Arbeitgeber sie nicht ohne Weiteres entlassen können.

Keine Mitbestimmung im Mittelstand?

In großen Unternehmen gibt es sehr häufig einen Betriebsrat. Doch in den kleinen und mittleren Unternehmen, die nur bis zu 500 Personen angestellt haben, sind Betriebsräte nicht sehr verbreitet. Insgesamt gibt es nur in zehn Prozent der betriebsratsfähigen Unternehmen auch einen Betriebsrat.

Je größer der Betrieb ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dort einen Betriebsrat gibt. – Manuela Maschke, Hans-Böckler-Stiftung

Teilweise liegt es daran, dass die Arbeitnehmer in sehr kleinen Unternehmen den Chef persönlich kennen, auch gut mit ihm auskommen und deswegen gar keine Notwendigkeit für eine Betriebsratsgründung sehen. In anderen Fällen werden Betriebsräte allerdings auch von der Unternehmensseite eingeschüchtert oder Angestellte, die einen Betriebsrat gründen wollen, werden entlassen.

Betriebsräte steigern die Produktivität

Dabei sind Betriebsräte eigentlich eine Win-Win-Institution. Das haben Ökonomen des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung herausgefunden. Unmittelbar nach einer Betriebsratsgründung sinkt die Produktivität des Unternehmens zwar kurzfristig, doch in den 15 Jahren nach ihrer Gründung steigern Betriebsräte die Produktivität der untersuchten Firmen im Durchschnitt um ein Viertel.

Für ein Unternehmen ist es auch effizient, so eine Interessenvertretung zu haben, die zum Sparringspartner der Personalabteilung wird. – Manuela Maschke

Über die betriebliche Mitbestimmung in kleinen und mittleren Unternehmen hat detektor.fm-Redakteur Rewert Hoffer mit Manuela Maschke gesprochen. Sie leitet bei der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung das Referat für Arbeit und Mitbestimmung.

 
Wenn der Chef den Computer zum Kollegen macht PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Wednesday, 09 October 2019 02:15
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Viele Unternehmen fragen sich, welche Vorteile es bringt, wenn der Computer mehr Arbeitsschritte übernimmt. Mitarbeiter hingegen fragen: Was mache ich denn dann? Ein Mittelständler aus Sachsen-Anhalt hat es ausprobiert.

Wer für sein Haus eine Klingelanlage nach eigenen Vorstellungen bestellte, wusste beim Hersteller Tür-Control-Systeme (TCS) lange nicht, wann genau sie geliefert wird. „Wenn alles gut lief, dauerte es 7 Tage, sonst bis zu 44 Tage“, sagt Frank Balla, der zur TCS-Geschäftsleitung gehört. Das war eine unbefriedigende Situation für den Mittelständler, der in Genthin in der Nähe von Magdeburg sitzt und auch produziert. Zwei Millionen TCS-Sprechanlagen hängen bundesweit in Wohnungen, viele sind nach den individuellen Wünschen der Planer oder Eigentümer konzipiert.

Das Kombinieren der vielen Möglichkeiten für das Wunschprodukt musste beschleunigt und vereinfacht werden. „Jetzt haben wir noch drei bis fünf Arbeitstage Lieferzeit“, sagt Balla. Wie hat TCS das hinbekommen? Die Antwort lautet: Digitalisierung des Prozesses.

Damit gehört TCS innerhalb des deutschen Mittelstandes zur Minderheit. Der seit drei Jahren erstellte Digitalisierungsindex der Deutschen Telekom ergab zuletzt, dass bundesweit 45 Prozent der befragten Mittelständler die Digitalisierung in ihrer Geschäftsstrategie verankert haben. Dieser Anteil wächst, 2017 lag er bei 42 Prozent. Besonders aktiv seien die Betriebe seit Jahren bei der Digitalisierung der Beziehung zu den Kunden.

Da passt TCS in den allgemeinen Trend. Seit Februar ersetzt ein Online-Konfigurator den alten Prozess, den Balla auch „ewiges Ping-Pong“ nennt. Elektriker hätten ihre Vorstellungen für die Klingelanlage mitunter als Skizze auf einem Pappdeckel übermittelt. Bis die TCS-Experten auf dieser Grundlage das Endprodukt mit Kunden abgestimmt und alle Teile zusammengestellt hatten, dauerte es.

Jetzt klicke sich der Kunde online seine Wunschstation zusammen und könne sie dank Virtual-Reality-Tool auch als Projektion an der eigenen Hauswand sehen, so Balla. Die Skizzen, die Konstruktion, die Stückliste - alles wird automatisiert erstellt. Betreut wird der Konfigurator von Mitarbeitern, die vorher mit der analogen Planung betraut waren. Sie wurden im laufenden Betrieb weitergebildet.

In der Weiterbildung der Belegschaft liegt ein Knackpunkt für eine erfolgreiche Digitalisierung der Industrie, sagt der Präsident des Bundesverbands der Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI), Michael Ziesemer. Digitalisierung heiße nicht, dass Stellen wegfallen, eher im Gegenteil, aber es brauche andere Jobs. Bewerkstelligen müssten Betriebe den Wandel größtenteils mit den Mitarbeitern, die schon jetzt bei ihnen arbeiteten.

„Künftig geht es mehr um Service und weniger um die Dispo von Aufträgen“, so Ziesemer. Laut Digitalisierungsindex haben das auch viele Mittelständler in Deutschland erkannt: 46 Prozent der befragten Unternehmen halten es für einen entscheidenden Erfolgsfaktor, die digitale Kompetenz ihrer Belegschaft auszubauen. Nur ein Drittel sagt: Die Fähigkeiten ihrer Mitarbeiter in diesem Feld reichen aus.

Vertreter der Arbeitnehmer sehen Nachbesserungsbedarf aufseiten der Unternehmen. Der Ausbildungsreport des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) ergab: Einer von drei Azubis, der kurz vor den Prüfungen steht, fühlt sich nicht gut auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet.

„Diese Zahlen machen uns Sorge“, sagt die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack. „Berufsschulen und Betriebe müssen gleichermaßen besser werden.“ Gut weitergebildet fühlen sich laut Studie vor allem Lehrlinge in großen Unternehmen. Hier sagen 70 Prozent, sie würden gezielt auf die neuen Technologien geschult. Bei kleinen Betrieben bis zehn Beschäftigten bejahten das nur 45 Prozent.

Dabei fühlen sich die Azubis laut einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung noch am besten auf die digitalen Technologien vorbereitet. Mit dem Alter der Beschäftigen steige auch der Anteil derjenigen, die sich weniger gut weitergebildet fühlen. 41 Prozent aller befragten Beschäftigten sagten: Sie seien gut weitergebildet, ebenso viele fühlen sich nicht ausreichend unterstützt. Ein Großteil fürchtet dennoch nicht, dass die Digitalisierung den eigenen Job kosten könnte.

Aber was passiert, wenn ein konkretes Projekt völlig neue Jobbeschreibungen von den Beschäftigten erfordert – wie es bei TCS in Genthin mit dem Web-Konfigurator war? Die Entscheidung sei nicht nur mit Freude aufgenommen worden, räumt Fertigungsleiter Matthias Hebecker ein. Gerade nicht bei den Mitarbeitern, die für die analoge Konstruktion der Wunsch-Anlagen zuständig waren.

„Sie alle sind jetzt im Konfigurator-Team, haben neue Aufgaben und mussten sich dafür auch weiterbilden“, sagt Hebecker. Das biete neue Chancen, müsse aber gewollt sein. „Das ist nicht alles rosarot. Oft war die Kritik zu hören: Das schaffen wir nicht.“ Sie schafften es, sagt Hebecker – und es habe nicht einen einzigen Job gekostet. Stattdessen arbeite das Team jetzt daran, weitere Produkte über den Online-Konfigurator anbieten zu können.

 
Zeitarbeit: So funktioniert die Arbeitnehmerüberlassung PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Wednesday, 09 October 2019 02:12
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Einstellen ist gut, aber ausleihen ist flexibel. Auch im Mittelstand spielt Zeitarbeit eine wichtige Rolle. Unternehmen können so auf saisonale Schwankungen schneller reagieren. Doch der Gesetzgeber hat die Flexibilität zuletzt eingeschränkt.

Arbeitnehmer in Deutschland fest einzustellen ist im internationalen Vergleich immer noch teuer und relativ kompliziert. Spätestens, wenn der Arbeitgeber Angestellte schnell wieder los werden will, etwa, weil ein Kunde seinen Auftrag storniert hat, muss der Unternehmer zahlreiche Vorschriften und arbeitnehmerfreundliche Gesetze einhalten.

Hier kommt die Zeitarbeit ins Spiel. Denn Zeit- bzw. Leiharbeiter bleiben, zumindest in der Theorie, nur für einen bestimmten Zeitraum im Unternehmen und haben während dessen sozusagen nur einen Gaststatus mit weniger Ansprüchen und Rechten gegenüber dem Auftraggeber – der ja nicht ihr direkter Arbeitgeber ist. Unternehmen nutzen das Instrument der Zeitarbeit bevorzugt dann, wenn sie auf saisonal bedingte Auftrags- und Produktionsspitzen reagieren müssen. Immer mehr Unternehmen sind zudem aufgrund des Fachkräftemangels auf Zeitarbeiter angewiesen: Sie finden einfach keine Mitarbeiter mehr.

Definition: Was ist Zeitarbeit?

Die offizielle Bezeichnung für Zeitarbeit lautet: Arbeitnehmerüberlassung. Dabei handelt es sich um kein klassisches Anstellungsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Vielmehr ist der Arbeitnehmer bei einem Personaldienstleister fest angestellt, der den Zeitarbeiter bezahlt und ihn an einen Kunden „verleiht“. Der Personaldienstleister wird deshalb auch Verleiher genannt. Er lebt davon, dass er für die überlassene Arbeitskraft vom Entleiher mehr Geld überwiesen bekommt als ihn der Mitarbeiter kostet.

Grundsätzlich kann jedes Unternehmen Zeitarbeiter beschäftigen. „Voraussetzungen sind, dass die überlassenen Leiharbeitnehmer namentlich genannt werden, bevor sie ihre Arbeit aufnehmen und dass der Verleiher von der Bundesagentur für Arbeit eine Erlaubnis hat“, sagt Ralf-Dietrich Tiesler, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner der Kanzlei Menold Bezler.

Zeitarbeit basiert auf einem Dreiecksverhältnis: Der Mitarbeiter ist bei einem Personaldienstleister angestellt und wird auch von diesem bezahlt, arbeitet aber effektiv für ein anderes Unternehmen, das ihm gegenüber auch weisungsbefugt ist. Gerade bei längerfristigen Arbeitnehmerüberlassungen schwinden die gefühlten Grenzen zwischen Zeitarbeitern und „traditionellen“ Angestellten.

Arbeitsrecht: Was muss man bei der Übernahme von Zeitarbeitern beachten?

Aufgrund der Dreiecksbeziehung gelten bei der Übernahme eines Leiharbeiters besondere Regelungen, die Unternehmen beachten müssen. Abweichungen von den gesetzlichen Vorschriften sind möglich, wenn es tarifliche Vereinbarungen oder Betriebsvereinbarungen mit dem Betriebsrat gibt. Diese stehen nämlich über dem Gesetz. Welche Abweichungen und alternativen Regelungen möglich sind, erklärt Arbeitsrechtler Ralf-Dietrich Tiesler im Interview.

Was hat sich durch die AÜG-Reform geändert?

Innerhalb der Dreierbeziehung hatte der Leiharbeiter lange schlechte Karten. Er musste dieselbe Arbeit wie die Kollegen des Entleihers verrichten, verdiente aber deutlich weniger Geld als diese und war nur befristet angestellt. Statt neue sozialpflichtige Arbeitsplätze auch in Spitzenzeiten zu schaffen, stellten viele Unternehmen lieber Zeitarbeiter ein. Ein weiteres Problem war die verdeckte. Dadurch konnte der Sozialschutz umgangen oder zusätzliche Lohnabgaben und arbeitsrechtliche Formalien umgangen werden. Mitunter haben es sich Arbeitgeber sogar zu Nutze gemacht, dass Zeitarbeiter auch bei einem Streik eingesetzt werden durften.

Viele Gesetzeslücken hat der Gesetzgeber mit der Reform des Arbeitgeberüberlassungsgesetzes (AÜG) im Jahr 2017 mittlerweile geschlossen. Seitdem müssen Leiharbeiter von Anfang an den gleichen Lohn wie die Stammbelegschaft erhalten, nach spätestens 18 Monaten müssen sie fest übernommen werden und sie dürfen nicht mehr als Streikbrecher eingesetzt werden.

Anbieter kritisierten seinerzeit die AÜG-Reform. „Die seit April 2017 geltende Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes erschwert die Projektumsetzung mithilfe externer Facharbeitskräfte“, schrieb etwa Markus Eckhardt vom Ingenieurdienstleister Brunel im Spätsommer 2017.

Zeitarbeit und Leiharbeit: Was ist der Unterschied?

Laut dem Bürgerlichem Gesetzbuch (BGB § 598-606) bedeutet eine Verleihung eine unentgeltliche Abgabe von Dingen. Dies ist aber bei Arbeitskräften nicht der Fall, weil der Entleiher eine Gebühr bezahlt. Kritiker sind deshalb der Ansicht, dass Leih- und Zeitarbeit deshalb nicht dasselbe sind. Im allgemeinen Sprachgebrauch, in den Medien und auch in der Rechtsprache werden Zeitarbeit und Leiharbeit allerdings synonym gebraucht.

Welche Bedeutung hat die Leiharbeit in Deutschland?

Nach Angaben der Bundesanstalt für Arbeit waren im Jahr 2018 im Durchschnitt 1 Million Menschen als Zeitarbeiter tätig. Zum Vergleich: 1985 waren es gerade einmal 42.000. Entsprechend hat auch die wirtschaftliche Bedeutung stark zugenommen. Nach Angaben von Statista hat die Zeitarbeit im Jahr 2017 fast 23 Milliarden Euro umgesetzt, das entspricht rund 3 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland. Die meisten Zeitarbeiter waren mit 41 Prozent in Produktionsberufen tätig, gefolgt von wirtschaftlichen Dienstleistungsberufen (32 Prozent) und personenbezogenen Dienstleistungsberufen (13 Prozent).

Bekommen Zeitarbeiter Mindestlohn?

Seit dem 1. April 2014 haben Zeitarbeiter Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn. Die Höhe orientiert sich allerdings nicht am Mindestlohngesetz, sondern wird durch eine „Verordnung über die Lohnuntergrenze in der Arbeitnehmerüberlassung“ geregelt, die bis zum 31. Dezember 2019 befristet ist. Für die neuen Bundesländer liegt der Mindestlohn derzeit bei 9,66 Euro und für die alten Bundesländer bei 9,96 Euro.

„Equal Pay“: Ab wann muss der Leiharbeiter gleich viel verdienen?

Die Gleichstellung in Bezug auf das Gehalt („equal pay“) und gleiche Arbeitsbedingungen („equal treatment“) gelten ab dem ersten Tag der Überlassung. „Der Leiharbeiter hat gegen seinen Arbeitgeber, also den Verleiher, Anspruch auf die wesentlichen Arbeitsbedingungen einschließlich des Arbeitsentgelts, die für einen vergleichbaren Arbeitnehmer des Entleihers gelten“, sagt Rechtsexperte Ralf-Dietrich Tiesler.

Falschirmlösung und Zitierverbot: Was bedeuten diese Begriffe?

Seit der Neuregelung des AÜG sind auch zahlreiche andere Regelungen restriktiver. Werkverträge etwa können nicht mehr als Leiharbeitsverträge umdeklariert werden. Diesen „Joker“ konnten Unternehmen bisher einsetzen, wenn der Auftragnehmer eine Zulassung zur Arbeitnehmerüberlassung vorlegen konnte. Eine nachträgliche Legalisierung, auch „Lizenz auf Vorrat“ oder „Fallschirmlösung“ genannt, ist seitdem nicht mehr erlaubt. Stattdessen gilt das sogenannte Zitiergebot. Demnach muss der Überlassungsvertrag schon vor der Tätigkeitsaufnahme vorliegen.

Pro

der Personaleinsatz kann flexibler geplant werden und erhöht Wettbewerbsfähigkeit
kurzfristiger Personalbedarf kann abgedeckt werden
die Rekrutierung von Bewerbern für offene Stellen wird weniger aufwendig, weil das Suchen und Finden passender Kandidaten die Zeitarbeitsfirma übernimmt
Es entstehen viele Kontakte, aus denen sich auch Geschäftsbeziehungen ergeben können

Contra

Der Arbeitgeber hat mehr Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten
Setzt ein Unternehmen verstärkt auf Leiharbeiter, kann sich kein Teamgeist bilden
Häufige Unternehmenswechsel machen es dem Leiharbeiter unmöglich, eine Bindung zum Unternehmen aufzubauen.

 
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