Verband der Deutschen Aussenwirtschaft

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DIHK: „Infragestellung von Schengen trifft die gesamte Wirtschaft“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: c.rogler   
Freitag, den 29. Januar 2016 um 22:25 Uhr

In einer Erklärung auf seiner Homepage warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) eindringlich davor, das Schengener Abkommen auf Grund der derzeitigen Flüchtlingskrise in Frage zu stellen. Das Schengener Abkommen habe, so betont der Verband, den Internationalisierungsprozess der deutschen Wirtschaft entscheidend befördert und der DIHK unterstreicht, dass die ungehinderte Mobilität in Europa ein hohes Gut und ein wichtiges Element des EU-Binnenmarktes sei.

Gerade im Mittelstand seien die Schengen-Regeln Basis für die Diversifizierung insbesondere auch in die mittel- und osteuropäischen Staaten, heißt es weiter in der Erklärung. „Betriebe sind darauf angewiesen, schnell überallhin liefern zu können und ihre Produkte anzubieten. Umgekehrt ist der Schengen-Raum attraktiv für Geschäftspartner aus Drittstaaten, weil sie lediglich ein Visum benötigen und sich dann frei durch den Wirtschaftsraum bewegen können. Eine Schließung der Grenzen wäre daher eine große Belastung nicht nur für die EU, sondern auch für die deutsche Wirtschaft.“

 

Transporteure, Touristen, Handwerker und Dienstleister würden ebenso von der Öffnung der Grenzen profitieren wie der lokale Einzelhandel. „Zähe Grenzkontrollen bringen den Reise- und Warenverkehr zwar nicht zum Erliegen, führen aber zwangsläufig zu Verzögerungen. Das erhöht die Kosten und macht Reisen und Lieferungen unnötig teuer. Staus und Wartezeiten, zusätzliche Bürokratie, die Umstellung von Just-in-time-Lieferung auf deutlich teurere Lagerhaltung oder Umwege und zusätzlicher Treibstoffverbrauch wären die Folgen“, gibt der DIHK zu bedenken. „Schärfere Kontrollen betreffen nicht nur den Lkw-Transport. Bei der Bahn kommen Fahrpläne aus dem Takt, Schiffe werden aufgehalten, die Flughafenkontrollen dauern noch länger. Die Wirtschaft in allen EU-Staaten und insbesondere in Deutschland hat sich auf den freien Personen- und Warenverkehr eingestellt. Gerade Deutschland ist als Hochlohnland auf arbeitsteiliges Wirtschaften angewiesen, etwa in der Automobilindustrie und im Maschinenbau. Einschränkungen beträfen nicht nur den Handel mit unseren Nachbarn, sondern auch den Transitverkehr – und damit Lieferungen weltweit.“

 

Für Deutschland, das im Außenhandel rund 2,6 Billionen Euro umsetze, eine Katastrophe. „Kommen beim grenzüberschreitenden Transport Kosten von nicht einmal einem halben Prozent hinzu, sind wir schnell bei Kosten von etwa zehn Milliarden Euro. Das belastet die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Deutschland. Wir brauchen aber eine starke Wirtschaft, die den Menschen hierzulande – nicht zuletzt auch den Flüchtlingen – Angebote für Ausbildung und Arbeit machen kann.“

Abschließend macht die DIHK deutlich: „Der ‚Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts‘ – so heißen die inzwischen in den Vertrag über die Arbeitsweise der EU übernommenen Schengener Abkommen heute. Dieser Raum ist elementarer Bestandteil der Europäisierung und Internationalisierung der deutschen Wirtschaft und daher Grundlage für den Wohlstand in Deutschland. Schon die Schuldenkrise war und ist eine enorme Herausforderung. Werden nun Binnengrenzen auf längere Zeit stärker kontrolliert, leidet am Ende Europa als Ganzes. Der Vertrag sieht vor, dass auch ohne Kontrollen an den Binnengrenzen, etwa durch die Zusammenarbeit von Polizei und Strafjustiz, ein hohes Maß an Sicherheit in der EU gewährt werden muss. An diesen gemeinschaftlichen Regeln gilt es festzuhalten. Europa sollte in der Flüchtlingsfrage und beim Schutz der Außengrenzen eine gemeinsame Lösung finden – die Kosten einer unkontrollierten Zuwanderung wie auch einer Wiedereinführung von Kontrollen an den Binnengrenzen lägen allemal höher.“

(Bild: Petra Bork/pixelio.de)

 

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 29. Januar 2016 um 22:27 Uhr