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Mittelstand teilt sich in IoT-Vorreiter und -Nachzügler PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Wednesday, 18 September 2019 00:28
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Internet of Things (IoT) und Mittelstand passen zusammen, sagt eine Studie der Deutschen Telekom. Paul Höcherl, Produktmanager und IoT-Experte bei Lenovo DCG, erklärt, wo Mittelständler aus seiner Erfahrung heraus stehen und wo sie ihre Chancen und Risiken sehen.

Was wird dem Mittelstand in Sachen Digitalisierung nicht alles nachgesagt: unter anderem er sei zu wenig innovativ, zu unflexibel und zu wenig vorbereitet. Da entsteht fast der Eindruck, dass es sich mit dem Thema „Internet der Dinge“ genauso verhält. Dass dem nicht so zu sein scheint, belegt eine veröffentlichte Studie, die das Marktforschungsunternehmen PAC Deutschland im Auftrag der Deutschen Telekom erstellt hat. Das Ergebnis: Mittelstand und IoT, das geht schon ganz gut zusammen.

IoT ist für Mittelstand relevant

Mittelständische Unternehmen schätzen das Thema IoT laut der Studie als durchaus relevant für sie ein. Ein Großteil aller Befragten (94 Prozent) bestätigt, dass er sich näher mit dem Thema beschäftigt hat. 84 Prozent haben sogar schon eine IoT-Anwendung im Einsatz. Dennoch sind sich viele Probanden einig, dass kein wirklicher Grund zur Eile bestehe, das Thema IoT voranzutreiben.

Das trifft jedoch nur eingeschränkt zu: Beispielsweise sehen sich viele Automobilzulieferer schon heute einem enormen Konkurrenzkampf ausgesetzt. Der Einsatz probater IoT-Technik – wie etwa von intelligenter Sensorik direkt in den Fertigungsanlagen und von der Auswertung der gesammelten Daten vor Ort auf einem Edge-Computing-Server – kann den entscheidenden Wettbewerbsvorteil für das eigene Unternehmen bringen.

Logistik und Versorgung sind Vorreiter

Der deutsche Mittelstand teilt sich dabei eindeutig in das Lager der IoT-Vorreiter und der
-Nachzügler. 42 Prozent der Befragten gaben an, sich zumindest partiell als eine Art Vorreiter zu betrachten, wenn es um die Digitalisierung mittels vorhandener IoT-Technologien geht. Zu diesen Vorreitern zählen vor allem die Bereiche Logistik, Transport und Versorgung. Dort sind bei 90 Prozent der Befragten bereits IoT-Anwendungen im Einsatz. Im Gegensatz dazu halten sich industriell geprägte Mittelstandsbetriebe noch etwas zurück: Von ihnen nutzen „erst“ 83 Prozent der befragten Unternehmen eine IoT-Anwendung, 20 Prozent planen die Einführung mindestens einer (weiteren) Anwendung. Das Schlusslicht bilden Unternehmen aus dem Handel. Derzeit nutzen rund 79 Prozent der Unternehmen mindestens eine IoT-Anwendung – jedoch planen rund 40 Prozent der Befragten die Einführung mindestens einer IoT-Anwendung.

Zahlreiche mittelständische Unternehmen haben ihre Fertigungsstraßen und Lager bereits mit umfangreicher Sensorik ausgestattet. Damit sind diese Firmen geradezu prädestiniert, IoT-Techniken in ihre Prozesse zu integrierten. Zum Beispiel kann die bereits vorhandene Videoüberwachung mit einer KI-Lösung gekoppelt werden, um automatisch zu erkennen, falls der Lagerbestand zur Neige geht. Vorab definierte Maßnahmen können dann ergriffen werden.

Diverse IoT-Szenarien kommen in Betracht

Dass der Mittelstand dem Thema Internet of Things gegenüber positiv eingestellt ist, belegt die hohe Implementierungsquote in den Bereichen Remote Monitoring (RM) und Remote Control (RC). Diese Anwendungsfälle werden bereits von mehr als der Hälfte aller Befragten eingesetzt (RM: 57 Prozent; RC: 58 Prozent). Sieht man sich die geplanten IoT-Anwendungen an, kommen noch ganz andere Möglichkeiten ins Spiel. So bewerten etwa ein Drittel der befragten Unternehmen die Bereiche Apps und digitale Assistenten als interessant und planen dort erste Projekte. Aber auch die vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) und das IoT-gesteuerte Energiemanagement stehen bei zahlreichen Mittelständlern auf der Liste.

​IT-Security, Konnektivität und fehlende Experten bremsen

Die größten Hindernisse sehen viele Verantwortliche bei der IT-Sicherheit sowie bei der erforderlichen Vernetzung von vorhandenen Geräten und Systemen sowie bei fehlenden Anwendungen, die für IoT-Projekte erforderlich wären. Das hat vor allem damit zu tun, dass sich der Mittelstand schwertut, die notwendigen Experten auszubilden oder zu rekrutieren. Nur mit ihnen lassen sich die infrastrukturellen Voraussetzungen für erfolgreiche IoT-Projekte schaffen und umsetzen.

Dennoch ist ausreichend Potential vorhanden: Denn die Digitalisierung ist in zahlreichen mittelständischen Betrieben bereits weit vorangeschritten. Die genannten Automobilzulieferern, nutzen schon seit vielen Jahren SAP- und andere Systeme wie beispielweise Warenwirtschaftssysteme, automatisierte Lagerhaltungsanwendungen und Logistiklösungen. Sie können einen hohen Vernetzungsgrad inklusive entsprechender Sensorik vorweisen. Dabei kommt es vor allem auf die richtige Be- und Auswertung der Daten an, die heutzutage recht mühelos in der Cloud und mit den passenden IoT-Applikationen stattfinden kann.

Mittelstand und Partner profitieren gemeinsam

Das Fazit: Der Mittelstand ist am Thema IoT interessiert und erkennt durchaus Chancen und Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Gleichzeitig wissen viele Geschäftsführer von mittelständischen Unternehmen, dass sie die damit einhergehenden Herausforderungen nicht alleine bewältigen können. Die Zusammenarbeit mit und die Unterstützung durch externe Partner ist ein möglicher Ausweg aus diesem Dilemma – egal, ob es um die Expertise oder das technische Wissen rund um IoT-Lösungen geht.

Mittelständische Unternehmen müssen also nicht jede IoT-relevante Arbeit selbst übernehmen und ausführen. Dafür stehen cloud-basierte Services bereit, mit denen vor allem rechenintensive Aufgaben ausgelagert werden können. Bezahlt wird dabei nur das, was auch tatsächlich anfällt. Das macht eine Investition von Hause aus überschau- und kalkulierbar.