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Innovationen: Deutscher Mittelstand kommt nicht voran PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Wednesday, 30 October 2019 01:53
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Die Konjunktur rutscht ab - und vielen kleinen und mittleren Unternehmen fehlt es an Innovationskraft. Tausende Arbeitnehmer drohen einer Bertelsmann-Studie zufolge abzurutschen.

"Made in Germany" steht weltweit für Qualität. Doch die deutsche Wirtschaft muss laut einer Studie jetzt etwas dafür tun, damit das auch so bleibt. Sonst könnte dem Siegel auch wieder seine ursprüngliche Bedeutung zukommen - Ende des 19. Jahrhunderts wurden Verbraucher in England mit diesen Worten vor minderwertigen Produkten gewarnt.

Grund zur Sorge gibt es jedenfalls genug. Denn die Wettbewerbsfähigkeit vieler kleiner und mittelständischer Unternehmen ist einer Studie zufolge bedroht: Sie müssten mehr in Innovationen investieren - sonst könnten "Hunderte Unternehmen und Tausende Arbeitnehmer ins Abseits rutschen", heißt es in einer repräsentativen Untersuchung im Auftrag der Bertelsmann Stiftung, "wenn sich die Wettbewerbsbedingungen durch fortschreitende Digitalisierung und neue Wettbewerber verändern".

Dabei sind kleine und mittlere Betriebe für die deutsche Wirtschaft besonders bedeutend. Sie beschäftigten bundesweit fast 58 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer. Deutschlandweit hätten derzeit aber nur wenige Unternehmen die nötige Innovationskraft, um ihre Wettbewerbsposition auch langfristig zu sichern, bilanziert der Innovationsatlas.

Karliczek will Unternehmen helfen

Der Studie zufolge zeichnet sich zumindest rund ein Viertel der deutschen Firmen durch Innovationsfreude und Technologieführerschaft aus. Aber 46 Prozent der Betriebe seien als eher innovationsfern einzustufen. Für die Untersuchung hatte IW Consult mehr als 1000 Unternehmen aus Industrie und industrienahen Dienstleistungen befragt.

Dabei böten Digitalisierung und künstliche Intelligenz den Unternehmen Chancen, wie Forschungsministerin Anja Karliczek dem "Handelsblatt" sagte. "Wir müssen kleinen und mittleren Unternehmen aber helfen, sie wahrzunehmen", zitiert die Zeitung die CDU-Politikerin.

Die Unterschiede zwischen den Branchen sind der Studie zufolge aber groß. Führend in Sachen Innovationskultur sind den Autoren zufolge die Branchen Pharma und Chemie sowie die Metall- und Elektroindustrie. Am niedrigsten werde das Thema in Logistik und Großhandel betrachtet.

"Made in Germany" könnte sich zu einem Ladenhüter verwandeln, warnte der Wirtschaftsexperte der Stiftung, Armando García Schmidt. Und: "Je innovativer ein Unternehmen, desto größer ist der wirtschaftliche Erfolg und desto dynamischer wachsen die Mitarbeiterzahlen." Schmidt forderte eine aktive Wirtschaftspolitik, unter anderem mit Investitionen in die klassische und digitale Infrastruktur.