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Digitalisierung der Produktentwicklung im Mittelstand PDF Print E-mail
Written by thomas.jaeger   
Wednesday, 10 June 2020 01:37
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In den vergangenen Jahren haben mittelständische Unternehmen entscheidende Fortschritte bei der Digitalisierung von Prozessen, dem Abbau von Schnittstellen und der Integration ihrer Informationstechnologie erreicht. Dies zeigen auch die Ergebnisse einer Befragung von Fach- und Führungskräften. Doch wo geht die Reise hin? Oft scheint die übergreifende Digitalisierungsstrategie zu fehlen. Dann aber ergeben die Investitionen aufgrund unterschiedlicher Sichtweisen und Prioritäten nicht unbedingt das digitale Unternehmen der Zukunft.

Die Digitalisierung kommt in der deutschen Wirtschaft offenbar nur langsam in Gang: Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom geben 58 Prozent der 502 befragten Geschäftsführer und Vorstände an, dass ihr Unternehmen noch ein Nachzügler sei. Nur jedes dritte Unternehmen verfügt demnach über eine übergreifende Digitalstrategie – ein weiteres Drittel zumindest für Teilbereiche wie die Produktentwicklung. Während kein Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern vollständig ohne Digitalstrategie auskommt, verzichten im Mittelstand (100 bis 1999 Mitarbeiter) immerhin acht Prozent darauf. Dieser Anteil liegt bei kleinen Unternehmen mit 20 bis 99 Beschäftigten über 25 Prozent.

Wie werden die Entscheidungen getroffen?

Nun spricht das Top-Management zwar für das ganze Unternehmen. Die strategischen Entscheidungen zur Investition in die Digitalisierung werden jedoch in der Praxis von mehreren Kaufbeteiligten in einem „Buying Center“ getroffen. Dazu gehören bei Industriesoftware neben Business-Entscheidern aus Top-Management und Einkauf auch Akteure aus Fachbereichen wie der Produktentwicklung und der IT-Abteilung. Will man sich also genauer über die Digitalisierungsabsichten im Mittelstand informieren, so sollten neben den Top-Entscheidern zumindest auch Vertreter der Fachbereiche zu Wort kommen.

Empirische Untersuchung

Dies wurde in einer empirischen Untersuchung berücksichtigt, die 2019 im Auftrag von CAE Innovative Engineering und Siemens Digital Industries Software von Mente Factum und der USUMA GmbH in der Wirtschaftsregion Ostwestfalen-Lippe durchgeführt wurde. Dabei wurden insgesamt 102 Geschäftsführer und Fachbereichsleiter mittelständischer Unternehmen mit Produktentwicklung telefonisch befragt, um Aufschlüsse über die Bedeutung der Digitalisierung in ihren Geschäftsabläufen zu erhalten. Die Adressbasis der Grundgesamtheit von 500 Unternehmen gliederte sich etwa zur Hälfte in Kunden und Nichtkunden der Auftraggeber. Die Antworten stammen von 20 CEO und 82 Fachentscheidern.

Das Angebot von Siemens Digital Industries Software

Den Hintergrund der Befragung bildete das Software-Portfolio von Siemens Digital Industries Software. Dieses wohl umfangreichste Angebot für die Produktentwicklung, die Digitale Fabrik und die Simulation am Markt bietet die technischen Grundlagen für digitale Unternehmen und unterstützt deren Transformation. Das Softwareportfolio stellt einen digitalen roten Faden dar, der Menschen mit Daten und Anwendungen verbindet und fundierte Entscheidungen in Echtzeit ermöglicht. Dank dieses digitalen roten Fadens können die Kunden intelligente virtuelle Modelle (digitale Zwillinge) und Echtzeit-Produktionsinformationen über alle Lebenszyklusphasen hinweg – von der Idee über die Umsetzung bis hin zur Nutzung – miteinander verbinden und sich mit allen Teilnehmern der Wertschöpfungskette austauschen und so eine Umgebung für intelligente Innovationen schaffen. Siemens Digital Industries Software bietet eine voll integrierte Softwarelösung für die gesamte Wertschöpfungskette der Kunden: Angefangen vom ersten konzeptionellen Entwurf, über die Fertigungsplanung und -ausführung bis hin zum Service und Support sowohl der Produkte als auch der Anlagen, die diese herstellen. Insgesamt 47 der Befragten verfügte über eigene Erfahrungen aus mit Einsatz von Teilen dieses Portfolios; 55 Befragte gehörten nicht zu den Anwenderunternehmen.

Die Bedeutung der Digitalisierung

Die CEO messen der Digitalisierung eine hohe Bedeutung für den Geschäftserfolg zu: Nur 10 Prozent halten den Einfluss für eher gering; rund ein Drittel für sehr groß; die überwiegende Antwort lautete „eher groß“. Entsprechend scheint logisch, die Digitalisierung auch im eigenen Unternehmen voranzutreiben. Die genannten Hauptgründe dafür zielen auf den unterschiedlichen Wegen zu höherem Geschäftserfolg: Höhere Effizienz und Optimierung der Kostenstruktur werden von über 80 Prozent der Befragten Top- und Fachentscheider genannt. Die CEO haben zusätzlich organisatorische Veränderungen, neue Strategien und Geschäftsmodelle im Blick. Veränderungen der Märkte, die zunehmende Komplexität Unternehmensabläufe sowie der Produkte werden jeweils von über 70 Prozent der Befragten erwähnt.

Der Stand digitaler Technologien im Unternehmen

Damit klafft zu dem bisher erreichten Digitalisierungsgrad im Unternehmen eine gewaltige Lücke auf. Nur im Funktionsbereich Konstruktion hält mehr als die Hälfte der Befragten die Entwicklung für fast abgeschlossen oder zumindest sehr weit fortgeschritten. In der Simulation sinkt dieser Wert auf 25 Prozent bei den CEO, 35 bei den Fachentscheidern. Das Schlusslicht bildet die Produktion: Hier halten nur 15 Prozent der CEO die Digitalisierungsgrad für sehr weit fortgeschritten, gegenüber 34 Prozent der Fachentscheider. Rund 40 Prozent beider Gruppen sehen in der Produktion den größten Rückstand.

Die geplanten Investitionen

Betrachtet man die von den Befragten geäußerten Investitionsabsichten, so zeigt sich ein sehr differenziertes Bild. Während laufende Projekte sich vielerorts auf die Produktentwicklung konzentrieren, stehen bei den für die Zukunft geplanten Investitionen die Bereiche „Additive Fertigung“, und „Virtuelle Inbetriebnahme“ an. Größer ist in beiden Bereichen allerdings der Anteil Unternehmen, die sich dort nicht engagieren wollen. Lediglich im Bereich „Produktdatenmanagement“ haben rund 30 Prozent der Unternehmen bereits investiert, ein weiteres Drittel plant dies für die Zukunft, während ebenfalls ein Drittel keine Absichten zeigt.

Fehlende Digitalisierungsstrategien

Die Dringlichkeit einer Digitalisierung der Produktentwicklung ist im Mittelstand angekommen. Doch das erwähnte Fehlen einer unternehmensweiten Digitalisierungsstrategie wird in den Ergebnissen der empirischen Befragung allzu deutlich. In den Zielen sind sich (fast) alle einig. Doch die Führungsspitze schätzt nicht nur den aktuellen Stand der Digitalisierung im Unternehmen anders ein, als die Fachentscheider, sondern setzt auch für die Zukunft andere Prioritäten. Die geplanten Investitionen werden daher in den wenigsten Fällen zu konkreten Digitalisierungszielen führen. Sie konzentrieren sich auf die bisher bereits bevorzugten Teilbereiche. Nur mit einer verabschiedeten Digitalisierungsstrategie wird es den Führungsspitzen gelingen, gemeinsame Visionen zu entwickeln und die Fachentscheider mitzunehmen – auf dem Weg zum digitalisierten Unternehmen.

Wege zur Digitalisierungsstrategie

Für die Ausarbeitung einer Digitalisierungsstrategie können externe Beratungsangebote wertvolle Anstöße geben. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in Deutschland mit bis zu 100 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von maximal 20 Millionen Euro erhalten dafür unter bestimmten Voraussetzungen Mittel aus dem Förderprogramm „go-digital“ des Bundesministeriums für Wirtschaft. Siemens Digital Industries Software hält als Partner für die Entwicklung übergreifender Digitalisierungsstrategien einige Angebote bereit.

Value Discovery Workshops

Mit diesem Angebot, auch „Digitalization Potential Analysis (DPA)“ genannt, richten sich autorisierte Siemens-Partner vor allem an die Produktentwicklung einzelner Unternehmen. Mit einer Value Discovery Analyse (VDA) werden unternehmensinternen Prozesse der Produktenwicklung mit Hilfe von Interviews analysiert. Die Kunden dürfen folgende typischen Erkenntnisgewinne erwarten: Wie wird die IT-Landschaft effizienter? Wo können sie im Vergleich zur übrigen Branche besser werden? Wo machen Investitionen Sinn? Schließlich werden konkrete Handlungsempfehlungen gegeben. Mit den resultierenden Prozesskorrekturen und modernen Softwarelösungen lassen sich Geschäftserfolg und Wettbewerbsfähigkeit erheblich steigern.

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Digitalisierung zum Anfassen

Unter dem Titel Digitalisierung zum Anfassen offeriert Siemens Unternehmen eine „eintägige individuelle Digitalisierungsreise“. In einem praxisbezogenen, interaktiven Workshop erfahren die Teilnehmer, welche Anforderungen die Digitalisierung an zukünftige Geschäftsmodelle, Produkte und Prozesse stellt. Die Experten der Siemens Digital Industries Software stellen das Konzept des ganzheitlichen digitalen Zwillings vor und zeigen an 14 Stationen relevante Beispielen, mit welchen durchgängigen Soft- und Hardwarelösungen aus der Digital Enterprise Suite von Siemens die gesamte Wertschöpfungskette nahtlos integriert und digitalisiert werden kann.

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Potenzialanalyse zur Digitalisierungsstrategie

Welche digitalen Erfolgsfaktoren kennzeichnen Ihr Geschäft? Wie hoch ist der digitale Reifegrad der Prozesse? Wo steht das Unternehmen im Vergleich? Welche Potenziale wurden noch nicht gehoben und wie sind sie zu bewerten? Welcher Investitionsbedarf steht welchem Nutzen für das Unternehmen gegenüber?

Diese Fragen bearbeitet die Strategische Beratung von Siemens Digital Industries Software im Rahmen des Angebotes „Potenzialanalyse für eine firmenspezifische Digitalisierungsstrategie“. In drei einfachen Schritten entsteht gemeinsam mit dem Top-Management und den Verantwortlichen in den relevanten Fachbereichen eine realistische Digitalisierungsstrategie mit konkreten Handlungsempfehlungen. Allein in Deutschland wurden über 100 Projekte erfolgreich durchgeführt. Bei überschaubarem Aufwand führt die Potenzialanalyse zu praxisgerechten Lösungsvorschlägen für eine abgestimmte digitale Roadmap einschließlich Termin- und Investitionsplanung.